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DHAG e.V.

Deutsche Heredo-Ataxie Gesellschaft

Spinozerebelläre Ataxie Typ 1 (SCA1)

Ludger Schöls, Friedmar R. Kreuz, ...

 

Die SCA 1 ist insbesondere in den östlichen und nördlichen Bundesländern häufig. Der Erkrankungsbeginn ist sehr variabel zwischen dem 5. und 65., meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr.

 

Hauptsymptome sind eine zerebelläre Gang-, Stand- und Extremitätenataxie mit Augenbewegungsstörungen und Sprechstörungen. Oft treten auch Schluckstörungen auf.

 

Zusätzlich kann die zentrale motorische Bahn (Pyramidenbahn) mit betroffen sein, was sich als Steifigkeit (Spastik, hölzernes Gangbild) und Reflexsteigerung bemerkbar macht. Gefühlsstörungen sind meist leichter ausgeprägt und für die Erkrankung weniger belastend. Die Kraft bleibt in der Regel ausreichend erhalten und gravierender Muskelschwund ist selten.

 

Zu Blasenentleerungsstörungen (Inkontinenz) oder einem Nachlassen der geistigen Kräfte (Demenz) kommt es bei bis zu 20 Prozent der Betroffenen. Weitere neurologische Zeichen sind eine Einschränkung der Augenbewegungen (externe Ophthalmoplegie), verlangsamte Blicksprünge (Sakkaden), eine Zungenatrophie oder eine Gesichtsnervenlähmung (Fazialisparese).

 

In der elektrophysiologischen Diagnostik sind verlangsamte Nervenleitgeschwindigkeiten und verlängerte zentral-motorische Leitungszeiten ein recht charakteristischer Befund für SCA 1. In der Computer- oder Magnetresonanztomographie (CT oder MRT) ist das Ausmaß der Veränderungen sehr unterschiedlich.

 

Insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung sieht man häufig eine Atrophie von Kleinhirn und Hirnstamm. Neuropathologisch findet sich meist eine olivo-ponto-zerebelläre Atrophie (OPCA). Darüber hinaus sind oft auch die kaudalen Hirnnervenkerne, Hinterstränge und spinozerebellären Bahnen betroffen.

 

Transgene Zell- und Mausmodelle der SCA1 lassen vermuten, dass eine abnorme Faltung und Zusammenballung des mutierten Ataxin 1-Proteins die Krankheit wesentlich bestimmt. Je länger die CAG-Wiederholung ist, desto früher beginnt die Erkrankung und desto schwerer verläuft sie. Die Instabilität der CAG-Repeats mit der Tendenz zur weiteren Expansion erklärt das in diesen Familien zu beobachtende Phänomen der Antizipation, d, h. der Tendenz zum früheren Krankheitsbeginn in der nachfolgenden Generation.