Hilfsmittel

DHAG e.V.

Deutsche Heredo-Ataxie Gesellschaft

Hilfe zulassen und annehmen

 

Die neue Broschüre "Hilfsmittelempfehlungen für Menschen mit Ataxie Erkrankung" wurde fertiggestellt.

Es sind so viele Beiträge von unseren Mitgliedern dabei, ganz lieben Dank dafür.

 

Ich habe mir mal so meine Gedanken gemacht. Wie geht es Euch bei dem Thema „Hilfe“? Fällt es schwer Hilfe anzunehmen oder gar anzufordern? Warum?

 

Sicher geht es einigen so wie mir. Ich habe mich sehr schwer daran

gewöhnt Hilfe zu zulassen. Egal in welcher Form.

 

Irgendwann kam die Erkenntnis, ich konnte nicht mehr alleine ohne Hilfe gehen. Also ab ins Sanitätshaus, einen geeigneten Rollator aussuchen. Das Gefühl war unbeschreiblich, ich hätte heulen können.

Wieso nur? Ich war darauf angewiesen und sowas war doch nur für alte Leute. Ich bin doch nicht alt.

 

Auch einige „gutgemeinte Kommentare“ von anderen Menschen halfen bestimmt nicht weiter. „Wenn Du einmal am Rollator gehst, dann gewöhnst Du dich daran und kannst gar nicht mehr ohne laufen“ So ein Quatsch! Genau so verhielt es sich mit meinem Rollstuhl. Aber dadurch habe ich an Lebensqualität wieder dazu gewonnen. Endlich mal wieder ohne Anstrengung shoppen gehen, oder einfach mal nur Stadt und Landschaft genießen. Herrlich!

 

Wir werden dazu erzogen und immer wieder angeleitet, alles im Leben alleine zu schaffen. Das hemmt uns meiner Meinung nach Hilfe zu zulassen. Und dann ist ja auch noch unsere Würde und unser Stolz.

Der Kopf will, nur der Körper streikt und das Ergebnis ist, es geht nicht so wie man es möchte. Das macht wütend und traurig zugleich.

 

Doch wieviel sind wir bereit an Hilfe anzunehmen, ja sogar einzufordern? Meistens ist die Hemmschwelle groß, von beidenSeiten. Von demjenigen, der braucht und von demjenigen der anbietet.

Ich für meinen Teil lasse Hilfe zu, egal in welcher Form.

 

Mittlerweile habe ich erkannt, dass es mich weiterbringt und mein Leben ein bisschen erleichtert. Ich freue mich wenn ich mit meinen Scooter durch die Einkaufsläden fahre und hilfsbereite Personen mir die begehrte Ware (natürlich ganz oben im Regal) runter holen. Desto weniger muss ich mich quälen. Das ist doch eine positive Seite.

 

Sicher gibt es auch Tage, wo mir die angebotenen Hilfen weniger gefallen, doch mit einem freundlichen Lächeln und „Das schaffe ich schon, ganz lieben Dank“, sind beide Seiten zufrieden.

 

Ja, Marion das habe ich wie du empfunden und ich glaube man kann lernen mit dieser Situation umzugehen. Ich denke es liegt an der Einstellung, sehe ich meine Lage eher optimistisch oder pessimistisch?

Meine Erkrankung ist da und die kann ich leider nicht wegreden. Ja auch der Hilfebedarf, den die fortschreitende Erkrankung mit sich bringt, kann ich nicht boykotieren.

 

Nun habe ich die Wahl, lasse ich Hilfe zu oder lehne ich sie ab?

Genauso wie ich diese beiden Wege einschlagen kann gibt es auch zweierlei Reaktionen auf meine Entscheidung.

Deshalb ist es sehr wichtig Pro und Contra im Vorfeld abzuwägen.

 

Was kann mir passieren, wenn ich Hilfe ablehne?

Was kann passieren, wenn ich Hilfe annehme?

 

Für mich selbst überwiegen die positiven Dinge. Daher würde ich mich jederzeit entscheiden, Hilfe anzunehmen. Ich will es nicht verallgemeinern und es kommt immer auf den Stand der Erkrankung an, denn man soll bzw. will solange wie möglich selbständig bleiben.

 

Nur sollte man für sich abwägen, ab wann kann mir Hilfe mein Leben erleichtern? Denn bringt Stolz, wirklich weiter?

Die Entscheidung muss jeder für sich persönlich Treffen und die kann einem niemand abnehmen. Ja, selbstbestimmt Leben ist schön, aber beinhaltet auch schwierige Entscheidungen.

 

Eure Marina und Eure Marion

(1. und 2. Vorsitzende)

 

 

 

 

 

 

 

Lesesprobe:

Die Broschüre kann in der Geschäftsstelle bestellt werden.